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Die Rolle der Tonhöhe für die Stimmanpassung bei Transgendern und transsexuellen Personen PDF Drucken E-Mail

--- © Udo Elfert 2009 http://www.udoelfert.de ---

 

Wie wichtig ist die Tonhöhe zur Entwicklung einer weiblichen Stimme?

Die Person, durch die ich das erste Mal mit dem Thema „Entwicklung einer weiblichen Stimme für Transgender und Transsexuelle“ in Kontakt kam, stellte die Aufgabenstellung etwa folgendermaßen dar: „Du bist als Frau gekleidet und geschminkt, und dann gehst du in ein Café und sagst mit einer tiefen, männlichen Stimme:...“ – Anders gesagt: Das Passing passt, aber die Stimme stimmt nicht. Das ruft beim Gegenüber Irritationen hervor.
Ziel eines Stimmtrainings ist für Transgender und Transsexuelle also, die Stimme so anzupassen, dass sie vom Gegenüber als weibliche Stimme wahrgenommen wird, ohne Irritationen hervorzurufen.

Die Stimmlage ist sicherlich das hervorstechende Merkmal, in der sich die weibliche von der männlichen Stimme unterscheidet: Frauen sprechen durchschnittlich etwa eine Oktave höher als Männer. Diese Tatsache verleitet dazu, bei der Stimmänderung bei Transgendern und Transsexuellen den Fokus auf die Erhöhung der Sprechstimmlage richten. Eine simple Erhöhung der Stimmlage ist aber oft nicht zielführend, und zwar auf folgenden Gründen:

  1. Damit eine Stimme als weibliche Stimme identifiziert wird, ist es nicht notwendig, dass die Sprechstimmlage erhöht wird. Viele weibliche Sprecherinnen und Schauspielerinnen haben eine tiefe Stimme, die fast einer typisch männlichen Sprechstimmlage entspricht. Zum Beispiel: Claudia Gräf, Doris Kunstmann, Mechthild Großmann. Viele andere Faktoren – zum Beispiel die Stimmmelodie, die Gestik und Mimik, die Wortwahl, das allgemeine Kommunikationsverhalten, die Resonanz, der Stimmklang – spielen eine ebenso wichtige Rolle dafür, ob eine Stimme als männlich oder weiblich vom Zuhörer wahrgenommen wird.
  2. Eine starke Erhöhung der Sprechstimmlage (zum Beispiel um eine ganze Oktave, um in den typisch weiblichen Bereich zu kommen) ist für den empfindlichen Stimmapparat belastend und mitunter geradezu schädlich. Männlicher und weiblicher Kehlkopf unterscheiden sich anatomisch voneinander: Der männliche Kehlkopf ist größer und die männlichen Stimmlippen/Stimmbänder sind dicker und länger. Wird nun versucht, mit einem anatomisch männlichen Kehlkopf in einer typisch weiblichen Stimmlage zu sprechen – zum Beispiel eine ganze Oktave höher – dann stellt dies gerade für die empfindlichen Stimmlippen eine enorme Belastung dar. Dies kann zu Heiserkeit, funktionellen Stimmstörungen und auch Stimmversagen führen.
  3. Wird die Stimmlage einfach in den typisch weiblichen Bereich erhöht, resultiert dies für viele in einem monotonen Stimmklang. Die Irritationen – verursacht durch die monotone Stimmführung – beim Gesprächsgegenüber sind dann größer als der Nutzen der hohen Stimme.

 

Warum wird die Sprechmelodie monoton, wenn die Stimmlage zu stark angehoben wird?

Jede Person hat einen individuellen Stimmumfang. Meistens sind dies etwa 1 ½ bis 2 Oktaven. (Personen mit einer stimmlichen Ausbildung weisen oft einen sehr viel größeren Stimmumfang auf, Personen mit Stimmstörungen einen oftmals eingeschränkten Stimmumfang.) Die mittlere Sprechstimmlage – das ist diejenige, bei der entspannt gesprochen und der Kehlkopf möglichst wenig belastet wird – liegt meistens im unteren Drittel des gesamten Stimmumfangs. Grafisch stellt sich dies so dar:

Weibliche Stimme für Transgender und Transsexuelle 1

 

Nun sprechen wir nicht auf einem Ton – das wäre monoton – sondern die Stimme wird um diese mittlere Sprechstimmlage moduliert; es entsteht eine Sprechmelodie – auch Intonation genannt.


Stimmtonhöhe bei Stimmanpassung TG und TS

Wird nun die Sprechstimmlage um eine ganze Oktave angehoben, um mit einer typisch weiblichen Sprechstimmlage zu sprechen, dann gibt es für eine Sprecherin mit einem anatomisch männlichen Kehlkopf nach oben (also hin zu höheren Tönen) keinen Spielraum mehr. Die Stimme klingt daher dann monoton und irritiert den Gesprächspartner.

 

weibliche Stimme für Transgender und Transsexuelle TG und TS

Im Hinblick auf die Tonhöhe geht es beim Stimmtraining für Transgender und Transsexuelle also darum, die Sprechstimmlage soweit zu erhöhen, dass sie gut modulierbar bleibt. Gleichzeitig können die anderen Stimm- und Sprechbereiche (Resonanz, Gestik und Mimik, Kommunikationsverhalten, Wortwahl, Stimmklang) so angepasst werden, dass die Stimme als Ganzes, als weibliche Stimme vom Gegenüber identifiziert wird. Wo die Zieltonlage genau liegt, muss individuell bestimmt werden. Sie richtet sich nach den individuellen stimmlichen Gegebenheiten (stimmliche Belastbarkeit, Stimmumfang, „natürliche“ Sprechstimmlage usw.).
Weil eine Erhöhung der Stimme von ihrer „natürlichen“ (d.h. den anatomischen Gegebenheiten angemessenen) mittleren Sprechstimmlage für den Stimmapparat und gerade für die Stimmlippen eine erhebliche Belastung darstellt, stellen Stimmhygiene und allgemeine stimmentlastende bzw. stimmstärkende Methoden wichtige Komponenten für die Entwicklung einer weiblichen Stimme für Transgender und Transsexuelle dar.

--- © Udo Elfert 2009 http://www.udoelfert.de ---

 

 

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 02. September 2009 um 16:07 Uhr
 


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