| Stimmentwicklung bei Kindern |
|
|
|
Die Entwicklung der Stimme bis zum Stimmwechsel (Mutation, Stimmbruch)--- © Udo Elfert 2009 - www.udoelfert.de ---
Erste Schreiperiode:Die erste Schreiperiode (Geburt bis zur 8. Lebenswoche) ist gekennzeichnet von Reflexschreien. Diese treten reflexartig auf und zeichnen sich durch weiche Stimmeinsätze aus. Neugeborene schreien meist auf einer Tonhöhe von 440 Hz (a'); Säuglingsschreie deutlich höherer Frequenz deuten häufig auf einen Hirnschaden hin.
Zweite Schreiperiode:In der zweiten Schreiperiode (ab der 8. Lebenswoche) wird die Stimme vom Säugling bereits differenzierter eingesetzt: Schreie mit harten Stimmeinsätzen bedeuten Unlustschreie, solche mit weichen Stimmeinsätzen sind Laute wohliger Empfindung (Lustschreie) und liegen meistens auch etwas tiefer als Unlustschreie.
Dritte Schreiperiode:Die zweite Schreiperiode geht fließend in die dritte Schreiperiode (ab der 9./10. Lebenswoche) über, in der der Säugling der Umgebung mit seinem Schreien seine Wünsche mitteilt.
Lallphasen:Stimmhafte Laute, die im Zusammenhang mit dem Lallen der Lallphasen auftreten, zeichnen sich durch ein differenzierteres Klangspektrum aus. Der Grundton ist deutlich vorhanden, und die tieferen Klanganteile sind ausgeprägter. In der ersten Lallphase (2. bis 6. Lebensmonat) werden vom Säugling taktil-kinästhetische Reize gesetzt, indem die Artikulationsorgane (Lippen, Zunge, Gaumen) bewegt werden. Unabhängig vom sprachlichen Umfeld - d.h. unabhängig von der Muttersprache/Erstsprache - werden alle möglichen Sprachlaute artikuliert, also auch solche, die im sprachlichen Umfeld überhaupt nicht vorkommen. In der zweiten Lallphase (6. bis 9. Lebensmonat) steht die auditive Wahrnehmung (Rückkopplung) der vom Säugling produzierten Laute im Vordergrund. Der Säugling vergleicht die von ihm produzierten Laute mit denen der Muttersprache; deshalb verlieren sich im Laufe der Zeit nicht-muttersprachliche Laute. Hörgeschädigte Kinder verstummen in dieser Zeit häufig oder zeigen ein nur reduziertes Lallen während der 2. Lallphase.
Die Stimme des Kleinkindes:Ab etwas 2 ½ Jahren sinkt die Sprechstimmlage allmählich auf ca. 300 Hz (d'). Bis zum Alter von ca. 8 Jahren bleibt die mittlere Sprechstimmlage weitgehend auf dieser Höhe. Bei Mädchen kommt es während dieser Zeit zu einer Erweiterung des Stimmumfangs hauptsächlich nach oben, bei Jungen sowohl nach oben als auch nach unten.
Kindliche Stimmstörungen:Die Ursachen kindlicher Stimmstörungen sind ausgesprochen vielfältig: Es gibt sowohl organische (Erkrankungen des Kehlkopfes, des Atemsystems etc.) als auch funktionelle Ursachen (falscher Stimmgebrauch). Auch Umweltfaktoren (heiße, trockene Luft, Schadstoffe etc.) spielen eine Rolle. Eine ursächliche Therapie kindlicher Stimmstörungen setzt an der zu Grunde liegenden Ursache an und gehört in die Hände von Fachleuten (HNO-Ärzte, Phoniater, Kinderärzte, Logopäden).
Zur Prävention von Stimmstörungen sollte im Allgemeinen darauf geachtet werden, unökonomische Belastungen des Kehlkopfes, wie z.B. Schreien, Kreischen und unphysiologisches Singen (Singen an den Grenzen des Stimmumfanges) zu vermeiden. Wichtig für die Stimmfunktion ist außerdem eine genügende Flüssigkeitszufuhr (Viel trinken, gerade im Winter, wenn die Luft trocken ist.). Als schädigende Faktoren zählen Rauch, Schad- und Giftstoffe, aber auch zu trockene Luft (Vorsicht im Winter!). - Flüstern belastet im Übrigen die Stimme erheblich und ist nicht zur Stimmschonung geeignet.
Der Stimmwechsel (Mutation, Stimmbruch):Der Stimmwechsel bei Jungen setzt frühestens mit dem 9. Lebensjahr ein und beginnt mir der sog. Prämutation. Diese Phase dauert ½ bis 1 Jahr und führt dazu, dass sich die obere Grenze des Stimmumfangs senkt und die Stimme kräftiger wird. Der eigentliche Stimmwechsel (Mutation) beginnt zwischen dem 11. und 12. Lebensjahr und dauert in der Regel nur wenige Monate. Hierbei senkt sich durch ein Wachstum der Stimmlippen die Stimme bei Jungen erheblich. Die Stimme klingt häufig rau und verhaucht. Die letzte Phase des Stimmwechsels wird als Postmutation bezeichnet. Hierbei kommt es zu einer ausgeprägten Zunahme des Stimmumfangs und zu einer allmählichen Besserung des Stimmklangs. Der Stimmwechsel kann sich als Stimmbruch bemerkbar machen, bei dem die Stimme eine Zeit lang nach oben oder unten kippt. Auch bei Mädchen gibt es einen Stimmwechsel, wenn hier auch keine Mutationsstadien zu unterscheiden sind. Außerdem verläuft die Mutation bei Mädchen in der Regel völlig unauffällig und führt nur zu einer Vertiefung der mittleren Sprechstimmlage um etwa eine Terz. Am Ende des Stimmwechsels steht bei Männern/Jungen eine mittlere Sprechstimmlage zwischen G und c (100-130 Hz); bei Frauen/Mädchen liegt die mittlere Sprechstimmlage etwa eine Oktave höher zwischen g und c' (200-260 Hz).
--- © Udo Elfert 2009 - www.udoelfert.de --- |
| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 30. September 2009 um 19:33 Uhr |






















