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Sprachförderung im Kindergarten durch Förderung der phonologischen Bewusstheit und der auditiven Wahrnehmung
Die zentrale Hörwahrnehmung im Gehirn wird als auditive Wahrnehmung bezeichnet. Das Wiedererkennen von Stimmen, das Identifizieren von Geräuschen und Klängen, die Wahrnehmung der Richtung von Schall und das „Hören in eine bestimmte Richtung“ gehören zur auditiven Wahrnehmung. Eine gut differenzierte auditive Wahrnehmung ist für Kinder die Grundlage für eine ungehinderte Sprachentwicklung. Aber nicht nur für die Sprache ist das Hören wichtig: Die gesamte kognitive Entwicklung ist eng mit dem auditiven Sinn verbunden. So fördern Hören, Hinhören und Zuhören z.B. die Konzentration auch in anderen Bereichen. – ErzieherInnen können im Kindergarten wichtige Impulse zur Förderung der auditiven Wahrnehmung setzen. Dazu gehört das Schaffen einer hörfreundlichen Umgebung und die spielerische Förderung des Hörsinnes der Kinder durch Hör- und Lauschspiele im Rahmen einer Sprachförderung im Kindergarten.
Die phonologische Bewusstheit ist ein spezieller Aspekt der auditiven Wahrnehmung. Sie bezeichnet die Fähigkeit, sich den formalen Aspekten von Sprache zuzuwenden und den Inhalt in den Hintergrund treten zu lassen. So besteht das Wort „Maus“ zum Beispiel aus einer Silbe, fängt mit einem m-Laut an, endet mit einem stimmlosen s-Laut und reimt sich auf „Haus“. Dies sind die formalen Aspekte von Sprache, um die es bei der phonologischen Bewusstheit geht. Antwortet ein Kind auf die Frage, was sich denn auf „Haus“ reime, mit „Dach“, dann orientiert sich dieses Kind noch sehr stark an den inhaltlichen Aspekten des Wortes „Haus“ und nicht an seinen formalen Aspekten.
Bei Vorschulkindern erfolgt die Analyse der sprachlichen Einheiten in erster Linie durch Silbensegmentieren (Einteilen von Wörtern in Sprechsilben; Silbieren; Silben-Klatschen), durch das Segmentieren von Sätzen in Wörter, durch Reimen, sowie das Erkennen und den Vergleich von betonten Vokalen. Diese Fähigkeiten entwickeln sich spontan und werden als phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne bezeichnet. Bei der phonologischen Bewusstheit im weiteren Sinne geht es also um die metasprachliche Analyse größerer und leichter segmentierbarer Einheiten (Wörter, Silben, Reime).
Die Analyse und Synthesefähigkeiten auf Phonemebene (Lautebene) bilden sich schnell aus, werden bei Kindern allerdings oft erst durch konkrete Schreiberfahrungen (meist in der Schule) ermöglicht. Die Analyse- und Synthesefähigkeiten von einzelnen Sprachlauten (Phonemen) weist eine größere Nähe zu den im Schriftspracherwerb notwendigen Leistungen auf und wird als phonologische Bewusstheit im engeren Sinne bezeichnet.
Die phonologische Bewusstheit ist für Kinder die zentrale Vorläuferfähigkeit für den späteren Schriftspracherwerb in der Grundschule. Die phonologische Bewusstheit ist aber nicht nur die wichtigste Voraussetzung für den Erwerb des Lesens und Schreibens, sie ist auch mess- und vor allem förderbar. ErzieherInnen können durch die Förderung der phonologischen Bewusstheit iim Rahmen der Sprachförderung im Kindergarten den später erfolgenden Schriftspracherwerb aktiv fördern und dadurch sogar Störungen wie eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) verhindern helfen.
Das für das Training der phonologischen Bewusstheit so wichtige Silbieren (= in Silben sprechen) und Lautieren (= in Einzellauten sprechen) stellt für Erwachsene eine besondere Herausforderung dar, da man sich – will man es „richtig“ machen – vollständig vom Schriftbild ab und dem gesprochenen Silben und Lauten zuwenden muss. Beim Silbieren und Lautieren ist also darauf zu achten, dass nicht die Schreibsilben oder die geschriebenen Buchstaben, sondern nur die tatsächlich gesprochenen Sprechsilben bzw. Sprachlaute artikuliert werden.
Es gibt verschiedene Verfahren zur Erhebung der phonologischen Bewusstheit, z.B.:
- Martschinke, S.; Kirschhock, E. & Frank, A. Der Rundgang durch Hörhausen. Erhebungsverfahren zur phonologischen Bewusstheit
- Jansen, H.; Mannhaupt, G.; Marx, H. & Skowronek, H. Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreib-schwierigkeiten (BISC)
Programme zur Förderung der phonologischen Bewusstheit sind:
- Küspert, P. & Schneider, W. Hören, lauschen, lernen. Sprachspiele für Kinder im Vorschulalter. Würzburger Trainingsprogramm zur Vorbereitung auf den Erwerb der Schriftsprache. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht
- Forster, M. & Martschinke, S. Leichter lesen und schreiben lernen mit der Hexe Susi. Übungen und Spiele zur Förderung der phonologischen Bewusstheit. Donauwörth: Auer Verlag
- Christiansen, C. Wuppis Abenteuer-Reise durch die phonologische Bewusstheit. Oberursel: Finken-Verlag.
- Tophinke, D. Sprachförderung im Kindergarten. Julia, Elena und Fatih entdecken gemeinsam die deutsche Sprache. Materialien und praktische Anleitung. (Osnabrücker Materialien). Weinheim: Beltz-Verlag
Inhalte der Fortbildung "Sprachförderung im Kindergarten durch Förderung der phonologischen Bewusstheit" sind:
- Schaffen einer hörfreundlichen Umgebung
- Hörerziehung
- Spiele zur Förderung der auditiven Wahrnehmung
- Hörspiele
- Hör-Fink (Programm zur Förderung der auditiven Wahrnehmung
- Welche Vorläuferfähigkeiten für den Schriftspracherwerb gibt es?
- Das Bielefelder Screening (BISC), "Wuppi" und "Rundgang durch Hörhausen" als Verfahren zur Erhebung der phonologischen Bewusstheit
- Förderung der phonologischen Bewusstheit und anderer Vorläuferfähigkeiten
- Förderung mit Hilfe spezieller Programme (Würzburger Trainingsprogramm, Osnabrücker Materialien, Wuppis Reise durch die phonologische Bewusstheit, "Hexe Susi")
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