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Spracherwerb und Gehör PDF Drucken E-Mail

--- © Udo Elfert 2009 - www.udoelfert.de ---

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Die Entwicklung des Gehörs

Die Entwicklung des Hörorgans beginnt in der 3. Schwangerschaftswoche und ist bereits in der ersten Hälfte der Schwangerschaft abgeschlossen.

Ab dem 5. Schwangerschaftsmonat nimmt der Fötus den Herzschlag der Mutter, ihren Atemrhythmus, Verdauungsgeräusche und ihre Stimme wahr. Auch akustische Reize außerhalb des Mutterleibes, wie Geräusche, Musik und Lärm werden von dem ungeborenen Kind wahrgenommen.
Zur Zeit der Geburt ist das periphere Hörorgan bereits vollständig ausgebildet; nach der Geburt entwickelt sich demnach nicht mehr das Hörorgan, sondern die Hörfunktion. Die Reifung der Hörfunktion findet auf der Ebene der zentralen Hörbahn im Gehirn statt und ist mit etwa einem Jahr abgeschlossen.


Die Nachgeburtliche Entwicklung des Gehörs

  • 1./2. Lebensmonat: Es besteht eine physiologische Hörminderung. Das Kind reagiert nur auf sehr laute Geräusche.

  • 3. Lebensmonat: Schallquelle wird mit den Augen gesucht.
  • 4. Lebensmonat: Kopf wird der Schallquelle zugewandt. Das Kind ist in der Lage, die Stimmen seiner Eltern wahrzunehmen.
  • 6. Lebensmonat: Das Kind beginnt, Geräusche nachzuahmen. Es fängt an mitzuplappern, wenn die Eltern mit ihm reden.
  • nach dem 7. Monat: Immer leisere Töne und Geräusche werden wahrgenommen.
  • ab dem 13. Monat: Das Kind reagiert, wenn es aus einem Meter Entfernung leise angesprochen wird.

Die Bedeutung des Hörens für die Sprachentwicklung

Ein intaktes Gehör ist sowohl für die altersgemäße Sprachentwicklung, als auch für die geistige und intellektuelle Entwicklung (innere Sprache = Denkhilfe und Bewusstseinsstütze) eine unabdingbare Voraussetzung. Eine Hörstörung hat also nicht nur Auswirkungen auf die gesamte Sinnesentwicklung (s. Kap. Sensorische Integration), sondern führt auch zu einem allgemeinen Entwicklungsrückstand.
Ein Kind, dessen Hörstörung von der Umwelt nicht bemerkt wird, kommt sich immer wieder missverstanden, ungerecht behandelt und abgelehnt vor. Liebevolle Worte kann es nicht richtig wahrnehmen. Aufforderungen missversteht es und kommt ihnen nicht nach. Eltern reagieren auf diesen vermeintlichen Trotz häufig mit Ungeduld, Wut oder Strenge. Das Kind kapselt sich oft von seiner Umwelt ab, und der Kreislauf von vielfältigen Lern- und Verhaltenssstörungen und der Beeinträchtigung der Eltern-Kind-Beziehung nimmt seinen Lauf.
Beidseitige leichtgradige Hörstörungen können eine Störung des Spracherwerbs (mit)verursachen. Bei mehr als 30dB Hörverlust kommt es zu einer verlangsamten Sprachentwicklung und Lautfehlbildungen. Bei einer beidseitigen Hörstörung von mehr als 60-70dB ist ohne Hörgeräteversorgung keine Sprachentwicklung mehr möglich.

Hinweise auf frühkindliche Hörstörungen


Da zum einen die Reifung der zentralen Hörbahn zwischen dem 13. und 18. Lebensmonat abgeschlossen ist und zum anderen auch für die Sprachentwicklung bestimmte Entwicklungsfenster bestehen, ist eine möglichst frühzeitige Erkennung einer Hörstörung notwendig, damit eine angemessene Hörgeräteversorgung erfolgen kann.

Hinweise auf kindliche Hörstörungen

  • Verstummen des Kindes während der 2. Lallphase
  • Wiederholt auftretende Erkältungskrankheiten und/oder Mittelohrentzündungen
  • Mangelnde Aufmerksamkeit gegenüber akustischen Reizen (Unbekannte Geräusche wecken kein Interesse).
  • Kinder reagieren nicht und/oder wirken wie geistesabwesend
  • Störungen der Sprachentwicklung und des Sprechens: morphologische, syntaktische Störungen, semantische Störungen (aktiver und passiver Wortschatz), phonetische und phonologische Störungen.
  • Veränderungen der Stimme und der sprachmelodischen Akzentuierung
Auch andere Symptome, die zunächst nicht so offensichtlich mit dem Hören zusammenhängen, können auf eine Hörstörung, vor allem auf eine Störung der zentralen auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung hinweisen, zum Beispiel:
  • Konzentrationsschwäche
  • motorische Unruhe
  • rasches Ermüden
  • unsichere, ängstliche, schwer zugängliche Kinder
Jeder noch so kleine Verdacht auf eine Hörstörung sollte ernst genommen und durch einen Hals-Nasen-Ohrenarzt abgeklärt werden.


Störungen der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung

Das Hörorgan des Menschen besteht nicht nur aus dem peripheren Teil mit äußerem Ohr, Mittelohr, Innenohr und Hörnerv, sondern auch aus einem zentralen Teil. Dieser zentrale Teil des Hörsystems liegt im Gehirn und wird auch als (zentrale) Hörbahn bezeichnet.
Eine Störung des Hörsystems kann demnach nicht nur in der Peripherie lokalisiert sein, sondern auch im zentralen Teil, also in der (zentralen) Hörbahn. Ist die Hörbahn betroffen, so spricht man von einer Störung der Hörverarbeitung bzw. von einer Störung der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung.
Die Aufgabe der zentralen Hörverarbeitung ist die Deutung, Differenzierung und Unterscheidung auditiver Reize. Diese Teilleistung ist für die regelgerechte Entwicklung der Sprache von großer Wichtigkeit; Störungen der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung führen dementsprechend häufig zu Störungen in der Sprachentwicklung.
Die genaue Diagnostik auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen und ihre Therapie obliegt Ärzten und anderem medizinischen Personal, wie Logopäden. Wegen der Wichtigkeit der auditiven Wahrnehmung für die Sprachentwicklung ist eine unspezifische Förderung dieser Teilleistung im Kindergarten empfehlenswert.


Spiele zur Förderung der auditiven Wahrnehmung

Unter Förderung der auditiven Wahrnehmung wird auf der einen Seite eine Förderung von allgemeinen Wahrnehmungsfunktionen, wie das Hören und Differenzieren von nichtsprachlichen Reizen (Klänge, Geräusche), auf der anderen eine spezifische Förderung der Wahrnehmung und Verarbeitung sprachlicher Reize (Sprachlaute, Silben, Wörter, Sätze) im Rahmen einer Sprachförderung verstanden.  Zunächst sollte die allgemeine und unspezifische Förderung der auditiven Wahrnehmung erfolgen, dann Spiele, die mit sprachlichen Reizen arbeiten. Spiele zur auditiven Wahrnehmungsförderung, die spezifisch eine Verbesserung der phonologischen Bewusstheit zum Ziel haben, werden in einem anderen Artikel vorgestellt.
Die Förderung der auditiven Wahrnehmung beginnt mit Spielen, die ein intensives Hinhören erfordern. Besonders geeignet sind Spielsituationen, die einen hohen Grad von Spannung haben, in denen die Kinder von sich aus leise werden, um eine gestellte Aufgabe zu erfüllen oder ein Problem zu lösen.
Intensive Hörerlebnisse sind vor allem dann möglich, wenn das Sehen – der dominanteste aller Sinne – ausgeschaltet wird: Mit geschlossenen Augen gelingt die Konzentration auf das Gehörte besser.

Die auditive Wahrnehmungsförderung kann sich auf folgende Bereiche erstrecken:

  • Geräusche hören und Geräuschquellen herausfinden,
  • Geräusche erzeugen (mit Instrumenten und mit Gegenständen),
  • mit Geräuschquellen experimentieren und sie unterscheiden können,
  • die Qualität von Geräuschen und Klängen erkennen,
  • Klänge und Geräusche in Bewegung umsetzen.

 

--- © Udo Elfert 2009 - www.udoelfert.de ---

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 01. Oktober 2009 um 23:55 Uhr
 


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